Brasov (Kronstadt)


Die harte Hülle: ein fetter Industriegürtel. Der zauberhafte Kern: die Altstadt wie aus dem Bilderbuch. Gepflegt. Gemütlich. Gemächlich. Gegründet im 13. Jh. vom Deutschritterorden. Florierende Boom-Town der Karpaten. Konservierte k.u.k.-Monarchie.

 

Brasov (Kronstadt)

 

Wohnhäuser, flamingofarben, zitronengelb, zartgrün und pink, umranden den weiten Rathausplatz mit seinem Brunnen, den Bänken, Cafés und Restaurants. Touristen schlürfen Eiskaffee, schauen auf die auffliegenden Tauben. Ein runzeliges Mütterchen verkauft mit treuherzigem Blick Wiesenblumen, selbst gepflückt. Ich kann nicht widerstehen,  kaufe ihr ein Sträußchen ab, verbummele ein Stündchen in der hübschen Fußgängerzone. Siesta-Stimmung liegt in der Luft - den ganzen Tag.

 

Der Blick wandert immer wieder zu den tiefgrün bewaldeten Karpaten, die das Universitätsstädtchen ganz dicht umschließen. Und zum BRASOV-Schriftzug, den die Bewohner in schneeweißen Riesenlettern á la Hollywood auf den Berg gesetzt haben. Motto: Auch wir sind schließlich wer! Immerhin wurde in der filmreifen Kulisse der Karpaten um Kronstadt herum „Cold Mountain“ mit Nicole Kidman gedreht.

 

Aus Kronstadt stammen auch einige Rumänen, die man in Deutschland kennt:  Peter Maffay zum Beispiel, oder das Erfolgsduo aus Boris Beckers Glanzzeiten, Schnauzbartträger Ion Tiriac und Trainer Günther Bosch.

 

 

Sightseeing:

 

Rathausplatz:

Man beginnt den Rundgang am Rathausplatz (Piata Sfatului). Und stellt fest: Wo ein Turm drauf ist, ist noch lange keine Kirche drin! 500 Jahre lang, ab 1420, diente das gelbe  Gebäude in der Mitte des Platzes als Rathaus. Heute ist ein kleines Geschichtsmuseum darin. Zweites auffallendes Gebäude am Platz ist die schöne orthodoxe Kathedrale, 1896 fertiggestellt, mit dem byzantinischen Turm. Das Eckhaus an der Piata Sfatului Nr. 12, das so genannte Hirscher-Haus, hat eine makabre Geschichte mit Happy End: Die Witwe des Kronstädter Stadtrichters, Apollonia Hirscher, schenkte das Renaissancegebäude 1545 der Stadt – aus Freude darüber, dass ihre tot geglaubte Tochter wieder zum Leben erwachte. Ein Grabschänder soll das lebende Mädchen im Sarg entdeckt haben – er wollte der vermeintlich Toten den Schmuck abnehmen … Im Hirscher-Haus wurden im Mittelalter Waren hergestellt, gelagert und verkauft. Heute befindet sich darin das Lokal „Cerbul Carpatin“ (Der Karpatenhirsch) – ein Restaurant mit Touristenbespaßung. In den Korbmöbeln des Eck-Cafés vor dem Hirscherhaus kann man allerdings bequem versinken und sich bei einem Cappuccino die Sonne auf die Nase scheinen lassen!

 

Schwarze Kirche:

Wir gehen weiter zum Wahrzeichen der Stadt, der Schwarzen Kirche (Biserica Neagra, erbaut 1384-1477) an der Südseite des Rathausplatzes. Ein Großbrand schwärzte 1689 die Mauern des evangelischen Gotteshauses und gab der bedeutendsten gotischen Kirche in Südosteuropa ihren Namen. Das eigentlich Besondere ist jedoch, dass im Kirchenschiff rund 120 wertvolle orientalische Teppiche (15.-18. Jh.) hängen und dem Innenraum eine ungewohnte Wärme verleihen. Die Kostbarkeiten aus Kleinasien sind allesamt Geschenke sächsischer Kaufleute, die so ihren Reichtum und ihre weitreichenden Geschäftsbeziehungen zur Schau stellten. Es ist die größte Sammlung alter orientalischer Teppiche in ganz Europa außerhalb der Türkei! Eingehend bewundern kann man sie nebenbei während einem der vielen Orgelkonzerte. Der Klang der 4000 Orgelpfeifen erfüllt in den Sommermonaten abends die Kirchenschiffe. Touristen strömen während der Hauptsaison in die Kirche, um die vielgerühmte Akustik der Orgel zu erleben, die als größte in Südosteuropa gilt. Nicht wundern: In der Kirche wird man tagsüber manchmal von Reiseführern angesprochen, die – auf Wunsch und gegen kleines Entgelt - kundig und auf Deutsch die Geschichte der Kirche erklären und höflich ihre Dienste auch für einen ganzen Stadtrundgang anbieten.

 

Vor der Kirche steht das Standbild des deutschen Humanisten und Reformators Johannes Honterus (1498-1549), ein Sohn der Stadt, der in der Kirche beerdigt ist. Er zeigt mit dem Finger auf das von ihm 1541 gegründete deutschsprachige, humanistische Honterus-Gymnasium. Es würde einen wenig wundern, wenn Direktor Knauer aus der „Feuerzangenbowle“ vor die Tür des altehrwürdigen Gebäudes treten würde …

 

Schnur-Gasse:

Am besten, bevor man beim Abendessen zuschlägt, sollte man spaßeshalber noch hier durch: Die Strada Sforii (wörtlich übersetzt: Schnur-Gasse) soll mit nur 1,3 Metern Breite - angeblich - die schmalste Straße Europas sein. Das Sträßchen war im 19. Jh. eigentlich als Feuerwehr-Durchgang konzipiert worden.

 

Fußgängerzone:

Breit genug ist dagegen die Fußgängerzone, die sich an den Rathausplatz anschließt. Zum Glück, denn hier reiht sich ein Straßencafé nahtlos an das nächste! Seit Sommer 2008 bilden die Cafés und Lokale eine einzige schnurgerade Linie, soweit das Auge reicht. Vor lauter Sonnenschirmen sieht man kaum mehr die schönen Hausfassaden. Mediterrane Stimmung im zuverlässig heißen rumänischen Sommer.

 

Und zum Schluss Brasov von oben:

Mit der Kabinenseilbahn fährt man auf den Hausberg Tampa – und hat aus fast 1000 Metern einen umwerfenden Blick über die Altstadt mit ihrem Herzstück, dem dreieckigen Rathausplatz. Witzig: Man steht dabei genau neben dem riesigen BRASOV-Schriftzug nach Hollywood-Manier. Unwitzig: Man sollte versuchen, den Gedanken an die zahlreichen Braunbären, die in den Wäldern um Kronstadt zu Hause sind, zu verdrängen …

 

infoInfo: Telecabina Tampa (Adresse: Aleea de sub Tampa)

Montags geschlossen.

 

 

Restaurant-Tipps:

 

Casa HirscherDas meiner Meinung nach beste Restaurant der Stadt ist das Casa Hirscher im Hirscher-Haus (nicht verwechseln mit dem Restaurant „Cerbul Carpatin“, das ebenfalls im Hirscher-Haus ist, dessen Eingang sich aber am Rathausplatz befindet. Das Casa Hirscher hat seinen Eingang in der Straße Apollonia Hirscher!). Italienische Küche, köstlich und kreativ präsentiert!

 

Die Räume mit den bemalten Wänden tragen, entsprechend der früheren Bestimmung des Gebäudes (s.o.), Namen wie Glasbläser-Saal, Buchbinder-Saal etc. Im Sommer sitzt man schön auf der Terrasse, genießt die laue Abendluft, lässt sich vom Stimmengemurmel, dem Wein, dem Dessert einlullen, blickt in der Dämmerung zufrieden auf die grünen Karpaten, oder guckt zu, wie sich schicke Paare vom Kellner an ihre Tische führen lassen. Vor allem am Abend ist eine Tischreservierung sehr zu empfehlen!

 

infoInfo: Piata Sfatului Nr. 12-14/Strada Apollonia Hirscher

www.casahirscher.ro

 

Auch in der Fußgängerzone gibt es einige gute Lokale, z.B. Butoiul Sasului (Sachsen-Fass). Man sitzt entweder in einem hübschen Innenhof, dessen gewölbtes Dach aus einem halbierten Fass besteht, oder in den liebevoll-rustikal eingerichteten Restaurant-Räumen.

 

infoInfo: Strada Republicii Nr. 53-55, www.butoiul-sasului.ro

 

Im  Bellagio isst man Steaks von ausgezeichneter Qualität, dazu gute rumänische Weine. Im Sommer sitzt man nett im Freien in einer Seitenstraße der Fußgängerzone.

 

infoInfo: Strada Michael Weiss 18.

 

 


Ausflüge:

 

Kronstadt ist der perfekte Ausgangspunkt für drei sehr lohnende Ziele in der nächsten Umgebung:  Die höchstinteressante Kirchenburg Prejmer (Tartlau), die malerisch am Berg gelegene Bauernburg Rasnov (Rosenau) und das berühmte, unvermeidliche „Dracula-Schloss“ Bran (für alle drei Ziele: s. Routenvorschläge!)

 

infoInfo zu Kronstadt und Umgebung:

www.brasov.ro (leider nur rumänisch und englisch)