Route 1: Highlights Siebenbürgens



Tag 1 und 2:

 

Am besten fliegt man für diese Tour in die rumänische Hauptstadt Bukarest und bleibt zunächst hier zwei Tage zur Besichtigung (Sightseeing siehe „Bukarest“ unter „Städte und Regionen“).

 

 

Tag 3:

 

Schloss Peles
Schloss Peles
Wir verlassen Bukarest – und legen auf dem Weg nach Siebenbürgen noch einen lohnenden Zwischenstopp ein. Die Reise geht ab Bukarest auf der E60 über Ploiesti 120 km weit in wohltuend würzige Bergluft: Der Ski- und Luftkurort Sinaia, einst Vergnügungsort der Adligen und Reichen, hat zwar etwas Patina angesetzt. Doch das Städtchen birgt einen großen Schatz: das königliche Schloss Peles (sprich: Pelesch). Wir fahren nach Sinaia hinein, dann ein idyllisches Waldstück entlang, parken auf dem Waldparkplatz und schließen uns den Besucherscharen an, die durch den Wald Richtung Schloss spazieren, begleitet vom Rauschen eines Baches. Und dann, plötzlich, öffnet sich ein traumhafter Blick - auf ein Märchenschloss unter blauem Wölkchenhimmel, vor der malerischen Bergkulisse der Karpaten, eingebettet in einen gepflegten englischen Garten, umgeben von sieben steinernen Terrassen. Die Touristenkameras surren, fangen die Türme, Erker und Fachwerkfassaden ein.

 

Es ist das Schloss von König Carol I. (Adel und Kirche hatten sich auf keinen einheimischen König einigen können, also beriefen sie den Regenten aus dem deutschen Herrscherhaus Hohenzollern-Sigmaringen, der dann Rumänien 1866-1914 regierte). Carol baute Schloss Peles ab 1875 zur Erinnerung an seine Burg Hechingen. Es wurde das modernste Schloss im damaligen Europa: mit Zentralheizung und einem elektrisch verschiebbaren Glasdach über der Eingangshalle.

Heute führen "verdiente Reiseleiterinnen des Volkes“ in ziemlich zackigem Tonfall durch einige der 160 reich dekorierten Räume – deutsches Barock, Rokoko, italienische Renaissance, maurische Salons, prunkvolle Waffensammlungen, das Arbeitszimmer des Königs.

Info: www.peles.ro

 

Wir fahren weiter nach Siebenbürgen und übernachten im reizenden Brasov (Kronstadt, knapp 50 km).

 

 

Tag 4:

 

Besichtigung von Brasov (s. „Städte und Regionen“).

 

 

Tag 5:

 

Brasov ist ein hervorragender Ausgangspunkt für zwei bedeutende Ziele, die man an einem Tag bewältigen kann. Wir fahren zunächst zur Burg Rasnov (Rosenau), nur 14 km südwestlich von Brasov entfernt. Zu Unrecht wird Rosenau in Reiseführern stiefmütterlich behandelt. Denn die Bauernburg, 1215 vom Deutschen Ritterorden erbaut, thront in herrlicher Lage auf einem 150 Meter hohen Kalkfelsen und eröffnet weite Ausblicke über die Berge, die sich in abgestuftem Blau am Horizont verlieren.

 

Die mächtige Burg mit ihren zehn Wehrtürmen und den starken Ringmauern ist in ihrem verwinkelten Inneren wie ein kleines Städtchen angelegt – gepflegt und schön restauriert. Im Inneren befanden sich etwa 30 Häuschen (Schulhaus, Bergkapelle, Pfarrstuben, Gemeindekornkammer, 98 m tiefer Brunnen), so dass im Kriegsfalle das Dorfleben „normal“ weitergehen konnte. Heute spazieren die Touristen durch die verwinkelten Gässchen der malerischen Bergfestung, genießen die Fernsicht auf die Berge, die sich an vielen Stellen öffnet und lassen sich im kleinen Open-Air-Café die Sonne auf die Nase scheinen. In der Festung ist auch ein kleines Museum mit der Geschichte von Rosenau untergebracht.

 

Burg Bran
Burg Bran
Wir fahren noch weiter nach Südwesten – denn nur 12 km von Rosenau entfernt steht das, was jedem beim Stichwort „Rumänien“ auf Anhieb einfällt: die „Dracula-Burg“ Bran (deutsch: Törzburg). Schon unterwegs spürt man die Dracula-Vermarktungsmaschinerie: Wir fahren vorbei an einem „Vampire-Camping“, und am Fuße der Burg reihen sich Souvenirshops mit Dracula in allen Variationen aneinander. Auch eine kleine Geisterbahn darf natürlich nicht fehlen. Nun gut, da ich sonst immer beklage, die Rumänen wüssten ihr schönes Land nicht zu vermarkten, darf ich jetzt nicht klagen. Hier vermarkten sie es … Die Burg selbst allerdings ist alles andere als gruselig. Eher verwunschen. Verträumt. Die Inneneinrichtung strahlt Wärme und Behaglichkeit aus: schöne Holzschnitzereien, gemütliche Salons mit Bärenfellen und Kaminen, Kachelöfen mit blau-weißen Fayancen, das holzgeschnitzte Himmelbett von König Ferdinand, labyrinthartige Gänge, Treppen und Türmchen, die sich um den Innenhof mit Brunnen gruppieren, schöne Aussichten auf den dichten Wald, die sich von Fenstern und Terrassen eröffnen.  

 

Und was hat das Ganze jetzt mit Dracula zu tun? So leid es mir tut: eigentlich nix. Der Zusammenhang geht so: Der irische Schriftsteller Bram Stoker verlegte die Handlung seines berühmten Dracula-Romans irgendwo nach Transsilvanien - ohne je dort gewesen zu sein. Als Vorbild für seine Dracula-Figur wählte er den walachischen Fürsten Vlad Tepes (Vlad der Pfähler), der auch Vlad Draculea genannt wurde, weil sein Vater (Fürst Vlad Dracul), dem Drachenorden (eine vom ungarischen König Sigismund gegründete Gemeinschaft zur Verteidigung der Christenheit gegen die Osmanen) angehörte ("dracul" kommt aus dem lateinischen "draco" und hieß im mittelalterlichen rumänischen Sprachgebrauch "Drache"). Der Fürst hat seinen Fuß zwar nie in die Burg Bran gesetzt, aber: Eine verwunschene Burg, mitten im Dracula-Romanschauplatz Transsilvanien – da musste Bran doch einfach die Dracula-Burg werden!

 

Die historischen Tatsachen unterscheiden sich ein klitzekleines Bisschen von den Blutsauger-Legenden: Bran wurde 1377-1382 von der Stadt Brasov errichtet – auf einem 60 Meter hohen Felsen thront die Burg seitdem über der dicht bewaldeten Landschaft. Am Grenzpunkt zwischen Transsilvanien und der Walachei spielte sie eine herausragende Rolle als Wehrburg und später als Zollstelle. Der Nordturm bot eine 30 km weite Sicht – von dort aus konnte das ganze Tal bewacht werden. Vom mächtigen Torturm aus wurden die Feinde mit heißem Teer, Harz und Wachs übergossen – deshalb hieß er auch Schwarzer Turm. 1920 schenkte die Stadt Brasov die Burg der rumänischen Königsfamilie – als Zeichen der Dankbarkeit für ihren Beitrag zur Vereinigung aller rumänischen Länder (1. Dezember 1918). 1920-1927 wurde Bran restauriert und zum königlichen Schloss umgebaut – mit Promenaden, Seen, Brunnen, Terrassen und einem Teehaus, in dem Königin Maria ihre Nachmittage verbrachte. Deren Tochter, Prinzessin Ileana, erbte das Schloss. Nach dem 2. Weltkrieg vom kommunistischen Rumänien übernommen, wurde Schloss Bran am 26. Mai 2006 mit einer offiziellen Zeremonie an Dominic von Habsburg, dem Sohn und Erben von Prinzessin Ileana, übergeben.

 

 

Tag 6:

 

Wir verlassen Brasov und fahren zunächst 15 km nach Nordosten zur Kirchenburg Prejmer (deutsch: Tartlau). Die hochinteressante Festungsanlage aus dem 15. Jh. gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe – und ist nach meinem ganz subjektiven Geschmack die schönste in ganz Siebenbürgen. Keine andere Wehrkirche in Siebenbürgen ist so gut befestigt wie die Kirchenburg von Tartlau.

 

Erst die Graben-Anlage. Dann stößt der Blick auf die drei bis vier Meter dicke und zwölf Meter hohe Mauer. Nach außen verläuft ein Wehrgang mit Schießscharten und Pechnasen. Hier, im Wehrgang, steht auch die berüchtigte „Todesorgel“: ein Brett, an dem man mehrere Gewehre befestigte und alle auf einmal abfeuerte. Klingt martialisch, doch sobald man den Korridor mit Fallgitter passiert hat, umfängt einen im malerischen Innenhof paradiesische Ruhe: Bäume, hohes Gras, Vögel. Zum Innenhof hin zeigt die Wehrburg ihr friedliches Gesicht: Hierhin flüchtete die ganze Dorfgemeinschaft im Alarm-Fall, wenn die Türken und Tataren kamen. 300 kleine Räume - Wohnräume für die Familien, Vorratskammern für Korn und Speck, ein kleiner Schulraum für die Kinder – durchlöchern wie Waben die Innenseite der Verteidigungsmauer, die der Besucher heute über viele Stufen und Holzumläufe erobern kann. Kein Feind schaffte es je, die Kirchenburg einzunehmen. Heute ist in den Kammern ein kleines Museum eingerichtet mit Gegenständen aus jener Zeit. Herzstück der Anlage ist die gotische Kirche (13. Jh.) mit ihrem kostbaren Altar.

 

In Tartlau lässt sich noch ein rumänisches Phänomen besichtigen: Während in Deutschland schon 20 km vorher große Schilder auf diesen bedeutenden Kulturschatz hinweisen würden, steht er in Rumänien mitten im Dorf einfach so da …

 

Wir fahren weiter: 145 km über die Bundesstraße 1 (E68) bis Sibiu (Hermannstadt) und übernachten dort.

 

 

Tag 7:

 

Besichtigung von Sibiu (siehe „Städte und Regionen“).

 

 

Tag 8:

 

Wir besuchen am Vormittag das Freilichtmuseum Astra (s. Städte und Regionen), am Stadtrand von Hermannstadt (7 km südlich) im Dumbrava-Wald gelegen (Gelegenheit zum zünftigen Mittagessen unter freiem Himmel im Museums-Restaurant). Weiterfahrt Richtung Sighisoara (Schäßburg).

 

Biertan
Nach 80 km halten wir in Biertan (deutsch: Bierthälm) an. Die mächtige Kirchenburg von Bierthälm ist die bekannteste aller rumänischen Kirchenburgen und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe: drei Wehrmauern, sechs trutzige Türme, drei Tore. Die Kirchenburg thront auf einer Anhöhe über dem Dorf und bietet einen idyllischen Rundblick auf die Wiesen und Weinberge der Umgebung. Die Türe der Kirchensakristei in der turmlosen gotischen Hallenkirche hat 22 Riegel, die alle gleichzeitig mit einer Schlüsseldrehung bewegt werden -eine raffinierte Mechanik aus dem Jahr 1515, die 1900 sogar auf der Weltausstellung in Paris gezeigt wurde.

 

Auch das Dorf am Fuße der Kirchenburg ist einen Spaziergang wert: schöne bunte Häuser mit Kreuzen oder dem Baujahr am Giebel, Kühe, Gänsescharen, ein kleiner Dorfplatz. Die Siebenbürger Sachsen sind zwar - bis auf eine Handvoll Heimatverbundener - ausgewandert, in ihren Häusern leben jetzt Rumänen. Doch die Dorfromantik ist geblieben. Einkaufs-Tipp: Auf der Hauptstraße unweit vom Dorfplatz (wenn man die Kirchenburg im Rücken hat: auf der rechten Straßenseite) gibt es ein schönes Geschäft mit Kunsthandwerk und Souvenirs. Kein Billig-Kitsch, sondern landestypische, geschmackvolle Stücke („Artefact Biertan“, Strada N. Balcescu Nr. 2). Die freundliche, sehr engagierte Ladeninhaberin Monica Cosma ist eine Siebenbürger Sächsin, die in Bierthälm und Bukarest wohnt und auch schon in Deutschland gelebt hat. Sie spricht fließend deutsch und kennt sich in der Gegend bestens aus!

 

Wer es ländlich liebt, übernachtet gleich in Bierthälm: Die einfache, aber romantische Mini-Pension „Casa Dornröschen“ schmiegt sich äußerst idyllisch zwischen die Wehrmauern der Kirchenburg. Preiswert schlafen mitten im UNESCO-Weltkulturerbe!

 

Und davor sollte man unbedingt im Mittelalter-Restaurant Unglerus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirchenburg zu Abend essen. Lange Holztafeln, schwere Stühle mit hohen Holzlehnen, Ritterrüstungen und Kettenhemden, hohe Räume. Im gepflegten Mittelalter-Ambiente kommen gute rumänische Speisen auf den Tisch (Info: Touristischer Komplex Unglerus, Strada 1. Decembrie Nr. 1, www.biertan.ro). Eine genauso romantische Alternative: Man fährt noch 10 km bis Sighisoara (Schäßburg) weiter und übernachtet in einer der niedlichen Pensionen im historischen Altstadtkern.

 

 

Tag 9:

 

Besichtigung des malerischen Mittelalterstädtchens Sighisoara (Schäßburg, siehe „Städte und Regionen“). Übernachtung in Sighisoara.

 

 

Tag 10:

 

Transfagarasan
Wir fahren zurück bis Sibiu, fahren ein Stück weiter Richtung Fagaras und biegen (vor Fagaras!) zwischen den Orten Porumbacu de Jos und Arpasu de Jos auf die „Transfagarasan“ (deutsch: Trans-Fogarasch-Straße) ab: eine rund 70 km lange, spektakuläre Gebirgsstrecke, die wunderschöne Bergpanoramen bietet auf Gipfel, Grate, Kessel, Seen. Die frisch asphaltierte Straße schlängelt sich serpentinenreich bis auf über 2000 km in den Fogarascher Bergen hoch (warme Sachen mitnehmen!).

 

Am Stausee Vidraru (Lacul Vidraru) kommt man an einer Art Bergpension vorbei, die einst Diktatorensöhnchen Nicu Ceausescu gehörte. Auf der Terrasse mit Seeblick kann man eine Kleinigkeit essen (Cabana Valea cu Pesti). Auf der Weiterfahrt, zwischen dem Vidraru-See und dem Städtchen Curtea de Arges, bei der Ortschaft Arefu steht die Ruine der „echten“ Dracula-Burg Poienari. Etliche Stufen führen hoch zu der Festung, die Vlad Tepes 1457 von Zwangsarbeitern wieder bewohnbar machen ließ, nachdem sie in der ersten Hälfte des 15. Jh. verwüstet worden war. 1462 flüchtete Vlad Tepes hierhin vor den Türken. Die entdeckten sein Versteck und bombardierten die Festung, doch Vlad Tepes konnte entkommen. Seine Frau Elisabeta dagegen sprang der Legende nach von der Festung und starb in die Fluten des Flusses Arges, um nicht in die Hand der Türken zu fallen.

 

Curtea de Arges
Curtea de Arges
Die Transfagarasan-Straße mündet quasi direkt in Curtea de Arges. Ein Stopp in der einstigen Hauptstadt der Walachei lohnt wegen der 1521 erbauten Klosteranlage in einem schönen Park – ein Paradebeispiel byzantinischer Baukunst mit reichen Innenfresken. Hier sind die meisten rumänischen Könige begraben – auch die aus dem Hause Hohenzollern. Der Manole-Brunnen außerhalb des Kloster-Komplexes ist dem unglücklichen Baumeister Manole gewidmet: Er musste einer in Rumänien berühmten Legende nach seine schöne Ehefrau lebendig einmauern, damit die Klostermauern halten. Eine Metapher für die Opfer, die für das Erschaffen eines Kunstwerks nötig sind.

 

Sensationelle Unterkünfte gibt es in Curtea de Arges nicht, dennoch bietet sich nach der langen Tagesroute eine Übernachtung hier an. Das Beste, was wir nach langer Suche finden konnten, war eine Pension, die keinen Schönheitspreis gewinnt, aber sauber und preiswert ist und freundliche Inhaber hat (Pensiunea Ruxi, Strada Negru-Voda Nr. 104, www.pensiunea-ruxi.ro, Doppelzimmer mit Bad und TV 85 RON, also knapp 30 Euro).

 

 

Tag 11:

 

Rückfahrt nach Bukarest